Freitag, 17. April 2009
Neu auf DVD:
Ridley Scotts 'Der Mann der niemals lebte'
Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) ist der beste Mann des US-Geheimdienstes: Er bewährt sich in Situationen, in denen das Leben eines Menschen nicht mehr wert ist als die Information, die man aus ihm herausholt. Bei seinen Einsätzen im Spannungsfeld zwischen dem Nahen Osten und Washington hängt Ferris Leben oft von der Stimme am anderen Ende einer abhörsicheren Telefonverbindung ab: Sie gehört dem mit allen Wassern gewaschenen CIA-Agenten Ed Hoffman (Russell Crowe). Hoffman führt seinen Krieg per Laptop im Wohnzimmer eines Einfamilienhauses: Er jagt eine neue Leitfigur der Terrorszene, die den Erdball mit einem Bombenteppich überzieht und dabei selbst dem Geheimdienst-Network der Welt immer wieder Schnippchen schlägt. Um diesen Terroristen aus der Reserve zu locken, muss Ferris sich in dessen finstere Welt einschleusen. Doch je näher er sich an sein Ziel heranarbeitet, desto deutlicher spürt er: Vertrauen ist ein äußerst gefährlicher Luxus aber auch seine einzige Chance, diesen Einsatz zu überleben.

Seit Filmen wie "Operation Kingdom" weiss man, dass Actionfilme nicht nur zur Aneinanderreihung möglichst vieler Special Effects taugen, sondern auch eine interessante (und politisch relevante) Geschichte erzählen können. Und wer ist besser dazu geeignet als Regie-Altmeister Ridley Scott, der bereits mit Filmen wie "Black Hawk Down" oder auch "Black Rain" zeigte, wie man Unterhaltungsfilme intelligent mit brisanten Themen verknüpft. Allerdings entpuppt sich "Body of lies" (so der weniger sperrige Originaltitel) als optisch erwartungsmäßig brillianter, aber inhaltlich etwas umständlicher Hightech-Spionage-Thriller, der viel zu lange braucht, um zur eigentlichen Geschichte zu kommen. Dafür wird der geduldige Zuschauer mit packenden Bildern bei der Stange gehalten und mit einem spannendem Finale belohnt, das allerdings durch die fade Auflösung deutlich abgeschwächt wird. Schauspielerisch bewegt sich der Film natürlich auch auf höchstem Niveau: DiCaprio ist längst seiner "Titanic"-Jugend entwachsen und macht weiter, wo er mit "Blood Diamond" aufgehört hat. Die Überraschung ist jedoch Scotts Darsteller-Spezi Russell Crowe, der den pomadigen und arroganten CIA-Agenten derart oberlehrerhaft gibt, dass man sich kaum vorstellen kann, dass er noch vor Jahren der strahlende Actionheld in "Gladiator" war. Für einen US-Actionfilm ist das "Lügengebilde" immer noch mehr als hervorragend, für einen Ridley Scott aber, der immerhin auch Filme wie "Alien" und "Thelma & Louise" in seiner Biografie hat, ist das Ergebnis tatsächlich aber ein etwas durchschnittlicher Beitrag zum Überwachungskrieg im Nahen Osten.
Bewertung: 7/10 (Moviepilot Prognose 7)


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