Freitag, 25. Dezember 2009
Ich kenn keinen - Allein unter Heteros (2002)
"Kennen Sie einen Schwulen?" - Mit dieser Frage reist Filmemacher Jochen Hick ins ländliche Schwaben. Den Antworten nach scheint Homosexualität hier unbekannt zu sein. Aber allem Leugnen zum Trotz findet Hick auch in der schwäbischen Provinz schwule Männer, von denen er vier porträtiert. Er begleitet sie in ihrem von Vorurteilen und Ausgrenzungen bestimmten Alltag und bei ihren gelegentlichen Fluchten in die Anonymität der Großstadt. Stefan, 26, lebt noch bei seiner Mutter. Gelassen berichtet der junge Forstwirt vom Unverständnis seines Vaters und von nationalsozialistisch gefärbten Anfeindungen im Kollegenkreis, als er sich outet. Auch der 38-jährige Uwe lebt noch bei der Mutter. Obwohl er nie beim Bund war, steht er auf Militärklamotten. Hin und wieder reist er nach Berlin, um sich dort auszuleben. Die Jugend des 1924 geborenen Richard fiel in die Zeit des Nationalsozialismus. Wegen seiner Neigung war er von Inhaftierung und Tod bedroht. Richard hat sich außerhalb dieses Films nie geoutet. Hartmut, 57, lebte jahrzehntelang integriert in die dörfliche Gemeinschaft: Er singt im Kirchenchor mit, nimmt an Wanderungen und am Stammtisch teil. Nur auf seinen regelmäßigen Reisen nach Thailand konnte er seine Homosexualität offen leben. Als er HIV-positiv getestet wurde, outete er sich - mit 51 Jahren. Die Dorfgemeinschaft hat ihn nicht verstoßen, doch die meisten begegnen ihm mit Unverständnis.

Als Dokumentation über den Schwulen in der Provinz gut gemeint, bleibt der Film doch nur an der Oberfläche der üblichen Klischees. Die Bilder mit dem Flair altmodischer Urlaubsaufnahmen verharren in sich selbst, ohne wirklich etwas zu sagen zu haben, und die Interview-Fetzen bleiben belanglos bis überflüssig. Mag das bei dem Seniorenpaar mit Erinnerungen an die eigene Jugend noch eine Relevanz haben, ist der Militär-Fetischist freigelassen auf der Berliner Wildbahn eher fremdbeschämend, wenn er ausserhalb der Öffnungszeiten in Szene-Läden wie die "Scheune" stolpert ("Hallo Sylvio!"). Und der HIV-Positive mit seinen Thailand-Aufnahmen geht völlig am eigentlichen Thema vorbei. Abgesehen von der ohnehin beschämenden Harmlosigkeit sind die Aussagen des Films selbst zur Entstehungszeit schon völlig überholt. Vor allem die Bedeutung des Internets für die schwule Szene auch auf dem Land wird gänzlich ignoriert. Das macht die oberflächliche Dokumentation gesellschaftlich zudem völlig überflüssig.
Bewertung: 2/10


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