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Mittwoch, 1. April 2009
Neu auf DVD:
Kiefer Sutherland in 'Mirrors'
Kiefer Sutherland in 'Mirrors'
crizcgn, 18:56h
Ex-Cop Ben Carson (Kiefer Sutherland) versucht nach ausufernden Alkoholexzessen, die ihn seine Ehe gekostet haben, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, und nimmt einen Job als Nachtwächter in der Ruine des Mayflower in New York an, ein durch ein Flammeninferno zerstörtes ehemaliges Nobelkaufhaus. Beim Rundgang entdeckt Ben einen Handabdruck auf einem überdimensionierten Spiegel und gerät damit schon bald in einen Albtraum, der immer schlimmere Ausmaße annimmt. Bald ist nicht nur er bedroht, sondern seine ganze Familie.
Nach der Anfangssequenz rechnete ich noch mit einem Film der Marke "Cube". Bald jedoch entpuppt sich das (laut Regisseur Alexandre Aja nicht offizielle) Remake des südkoreanischen Horrorfilms "Into the Mirror" als bizarres Horrorwerk im Stil von "The ring" oder "Dark Water". Allerdings erreicht "Mirrors" selten die Tiefe solcher Filme, was er mit effekthaschenden Schockmomenten auszugleichen versucht. Besonders im erste Drittel überrascht "Mirrors" mit einigen plumpen Gore-Einlagen, die völlig überflüssig für die Handlung sind, da sie bei aller Drastigkeit nicht wirklich etwas in dem Hauptdarsteller bewegen. So erleben wir auch eine blutige Autopsie, die nur den Zweck hat, dass Bens Exfrau von ihm kontaktiert wird. Zwar entwickelt sich im weiteren Verlauf doch noch eine spannende Geschichte, die über billige Geisterbahn-Effekte hinausgeht, allerdings macht dafür die Logik immer größere Zickzack-Sprünge (Stichwort: Psychatrie-Räume im Keller eines Kaufhaus) - bis zu einem Finale, das sich als völliger Nonsens entpuppt. Dass die Schwächen der klischeehaften Geschichte und der sinnlos blutigen aber immerhin zunehmend spannenden Inszenierung nicht vollends ins Leere laufen, liegt an routinierten Darstellern wie Kiefer Sutherland in der Hauptrolle, der sich allerdings sichtlich mühen muss, um gegen sein Jack-Bauer-Image anzuspielen. Es bleibt abzuwarten, ob Regisseur Alexandre Aja, der sich immerhin mit "High Tension" und dem "The Hills Have Eyes"-Remake einen guten Ruf als Horror-Experte erarbeitet hat, nicht im sinnfreien Goreporn-Mainstream unterzugehen droht.
Bewertung: 6/10 (Moviepilot Prognose 6,4)

Nach der Anfangssequenz rechnete ich noch mit einem Film der Marke "Cube". Bald jedoch entpuppt sich das (laut Regisseur Alexandre Aja nicht offizielle) Remake des südkoreanischen Horrorfilms "Into the Mirror" als bizarres Horrorwerk im Stil von "The ring" oder "Dark Water". Allerdings erreicht "Mirrors" selten die Tiefe solcher Filme, was er mit effekthaschenden Schockmomenten auszugleichen versucht. Besonders im erste Drittel überrascht "Mirrors" mit einigen plumpen Gore-Einlagen, die völlig überflüssig für die Handlung sind, da sie bei aller Drastigkeit nicht wirklich etwas in dem Hauptdarsteller bewegen. So erleben wir auch eine blutige Autopsie, die nur den Zweck hat, dass Bens Exfrau von ihm kontaktiert wird. Zwar entwickelt sich im weiteren Verlauf doch noch eine spannende Geschichte, die über billige Geisterbahn-Effekte hinausgeht, allerdings macht dafür die Logik immer größere Zickzack-Sprünge (Stichwort: Psychatrie-Räume im Keller eines Kaufhaus) - bis zu einem Finale, das sich als völliger Nonsens entpuppt. Dass die Schwächen der klischeehaften Geschichte und der sinnlos blutigen aber immerhin zunehmend spannenden Inszenierung nicht vollends ins Leere laufen, liegt an routinierten Darstellern wie Kiefer Sutherland in der Hauptrolle, der sich allerdings sichtlich mühen muss, um gegen sein Jack-Bauer-Image anzuspielen. Es bleibt abzuwarten, ob Regisseur Alexandre Aja, der sich immerhin mit "High Tension" und dem "The Hills Have Eyes"-Remake einen guten Ruf als Horror-Experte erarbeitet hat, nicht im sinnfreien Goreporn-Mainstream unterzugehen droht.
Bewertung: 6/10 (Moviepilot Prognose 6,4)

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DVD Reloaded
Payback - Zahltag (1999)
Payback - Zahltag (1999)
crizcgn, 17:13h
Ein scheinbar leichter Coup soll den Dieben Porter (Mel Gibson) und Val Resnick (Gregg Henry) das große Geld bringen. Tatsächlich klappt der Überfall wie am Schnürchen. Doch als es daran geht, die Beute zu teilen, begeht Val drei Fehler: Er unterschlägt Porters Anteil, brennt mit dessen Frau Lynn (Deborah Kara Unger) durch und versucht sogar, seinen Kollegen zu töten. Kaum wieder auf den Beinen, sinnt Porter auf Rache. Vor allem aber will er sein Geld zurückhaben. Da stört es ihn nicht einmal, daß Resnicks neue Freunde Mafia-Paten sind und sich ...
"Payback" ist ein kleiner, schmutziger und blutiger Film um Geld und Rache. Nur der Mitwirkung vom damaligen Megastar Mel "Stahlharter Profi" Gibson ist es zu verdanken, dass der Film erfolgreich im Kino lief und nicht nach ein paar Wochen in den Video Regalen verstaubte. Und das wäre schade gewesen, denn "Payback" ist ein brillanter rabenschwarzer Thriller mit jeder Menge überraschender Wendungen und einer ungewöhnlichen Besetzung, zu der auch Lucy Liu, Kris Kristofferson und James Coburn gehören. Letztendlich ist es aber Gibson, der dem Ganzen als zynischer Rächer die Krone aufsetzt. Nur Bruce Willis wäre als alternative Besetzung vorstellbar gewesen (andererseits wäre das wieder eine zu stereotypische Rolle für Willis gewesen und deshalb wohl weniger unterhaltsam). Verantwortlich für den spannenden Film ist als Co-Autor und Regisseur Brian Helgeland, der Autor vom kultigen Gangster Epos "L.A. Confidential". (Kommentar 03/2000)
Bewertung: 8/10

"Payback" ist ein kleiner, schmutziger und blutiger Film um Geld und Rache. Nur der Mitwirkung vom damaligen Megastar Mel "Stahlharter Profi" Gibson ist es zu verdanken, dass der Film erfolgreich im Kino lief und nicht nach ein paar Wochen in den Video Regalen verstaubte. Und das wäre schade gewesen, denn "Payback" ist ein brillanter rabenschwarzer Thriller mit jeder Menge überraschender Wendungen und einer ungewöhnlichen Besetzung, zu der auch Lucy Liu, Kris Kristofferson und James Coburn gehören. Letztendlich ist es aber Gibson, der dem Ganzen als zynischer Rächer die Krone aufsetzt. Nur Bruce Willis wäre als alternative Besetzung vorstellbar gewesen (andererseits wäre das wieder eine zu stereotypische Rolle für Willis gewesen und deshalb wohl weniger unterhaltsam). Verantwortlich für den spannenden Film ist als Co-Autor und Regisseur Brian Helgeland, der Autor vom kultigen Gangster Epos "L.A. Confidential". (Kommentar 03/2000)
Bewertung: 8/10

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Das Lächeln der Tiefseefische (2005)
crizcgn, 08:30h
Der 17-jährige Malte (Jacob Matschenz) lebt mit seinem alkoholkranken Vater Dietmar (Peter Kurth) auf der Insel Usedom. Die Mutter ist vor Jahren gestorben, die Schwester weggezogen und in der Haushaltskasse herrscht stete Ebbe. Malte hat einen Traum: den Führerschein machen und nichts wie weg! Bis dahin verdienen er und sein polnischer Freund Pawel (Adrian Topol) sich Geld mit Zigarettenschmuggel. Doch plötzlich steht wieder seine Schwester samt Sohn vor der Tür. Nun soll sich Malte auch noch um den kleinen Neffen kümmern, obwohl er lieber Zeit mit Annika (Alice Dwyer) verbringen möchte, die dort Urlaub macht. Viel passiert und nichts läuft nach Plan. Am Ende ist nichts mehr wie zuvor. Doch Malte weiss inzwischen, warum Tiefseefische lächeln ...
... Sie lächeln weil sie auch in tiefster Dunkelheit ihr eigenes Licht erzeugen. Damit sind sie Sinnbild für den Jungen Malte, der versucht seinen eigenen Weg zu finden heraus aus der Tristesse. Das Regie-Debüt von Till Endemann erzählt eine typische Coming-of-Age Geschichte, bei der die unbeschwerte Ausstrahlung der Teens der Handlung einiges an Schwere nimmt. Zum einen ist das gut, dass der Film nicht in den typischen dramatischen Klischees verstrandet. Allerdings gibt es der Story auch eine Belanglosigkeit, die oftmals den Zug in der Inszenierung vermissen läßt. Dass der Film nicht in deutscher Behäbigkeit endet, verdankt er vor allem der Leistung seines jungen Hauptdarstellers, der für seine Rolle als Malte 2005 zurecht den Max-Ophüls-Preis als Nachwuchs-Darsteller bekam.
Bewertung: 6,5/10 (Moviepilot Prognose 6,5)

... Sie lächeln weil sie auch in tiefster Dunkelheit ihr eigenes Licht erzeugen. Damit sind sie Sinnbild für den Jungen Malte, der versucht seinen eigenen Weg zu finden heraus aus der Tristesse. Das Regie-Debüt von Till Endemann erzählt eine typische Coming-of-Age Geschichte, bei der die unbeschwerte Ausstrahlung der Teens der Handlung einiges an Schwere nimmt. Zum einen ist das gut, dass der Film nicht in den typischen dramatischen Klischees verstrandet. Allerdings gibt es der Story auch eine Belanglosigkeit, die oftmals den Zug in der Inszenierung vermissen läßt. Dass der Film nicht in deutscher Behäbigkeit endet, verdankt er vor allem der Leistung seines jungen Hauptdarstellers, der für seine Rolle als Malte 2005 zurecht den Max-Ophüls-Preis als Nachwuchs-Darsteller bekam.
Bewertung: 6,5/10 (Moviepilot Prognose 6,5)
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Dienstag, 31. März 2009
Irgendwo in Berlin (1946)
crizcgn, 19:56h
Die Kinder der zerstörten Stadt Berlin machen aus der Not eine Tugend und die Trümmerlandschaft zum Abenteuerspielplatz. Gustav erwartet mit seiner Mutter auf den Resten ihrer ehemaligen Großgarage die Rückkehr des Vaters aus der Gefangenschaft, damit der Neuaufbau beginnen kann. Doch als der Mann endlich da ist, weicht die Freude einer großen Enttäuschung - er ist physisch und psychisch ein Wrack. Die Kinder, allen voran der Bandenführer "Kapitän", beschimpfen ihn als dreckigen Jammerlappen. Einzig Freund Willi hält zu Gustav und kommt durch seine gutgemeinte Hilfe in Schwierigkeiten, die ihn das Leben kosten...
Der Trümmerfilm "Irgendwo in Berlin" ist einer der ersten Verfilmungen der UFA nach dem Krieg. Der Film von Gerhard Lamprecht (Emil und die Detektive - 1931) handelt von dem Schicksal der Jugend und ihrer zerrissenen Familien in den ersten Nachkriegstagen. Dabei zeigt er nicht nur die Orientierungslosigkeit der Kinder, sondern auch die heimgekehrten und gebrochenen Väter, die unter dem Trauma der Kriegserlebnisse leiden. Lamprechts Film erweist sich mit einfachen Mitteln als ein schon fast dokumentarischer Spiegel seiner Zeit.
Bewertung: 7/10

Der Trümmerfilm "Irgendwo in Berlin" ist einer der ersten Verfilmungen der UFA nach dem Krieg. Der Film von Gerhard Lamprecht (Emil und die Detektive - 1931) handelt von dem Schicksal der Jugend und ihrer zerrissenen Familien in den ersten Nachkriegstagen. Dabei zeigt er nicht nur die Orientierungslosigkeit der Kinder, sondern auch die heimgekehrten und gebrochenen Väter, die unter dem Trauma der Kriegserlebnisse leiden. Lamprechts Film erweist sich mit einfachen Mitteln als ein schon fast dokumentarischer Spiegel seiner Zeit.
Bewertung: 7/10

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ZDF Zweiteiler:
Die Gustloff (2008)
Die Gustloff (2008)
crizcgn, 10:35h
Der junge zivile Fahrkapitän Hellmut Kehding (Kai Wiesinger) soll das Schiff "Die Gustloff" mit etwa 1500 Wehrmachtsangehörigen und fast 9000 Flüchtlingen sicher nach Kiel bringen. In Gotenhafen trifft er seine große Liebe Erika Galetschky (Valerie Niehaus) wieder, die als Marinehelferin in der Flüchtlingsaufnahme arbeitet. Unter den Flüchtlingen ist Lilli Simoneit (Dana Vávrová), die wie so viele schon wochenlang unterwegs ist. Ihre kleine Tochter hat die Flucht nicht überlebt und ihr 16jähriger Sohn Kalli (Willi Gerk) schwebt in ständiger Gefahr, als Soldat zum Volkssturm eingezogen zu werden. Lilli hat im Treck Marianne (Anja Knauer) aufgenommen, die mutterseelenallein herum irrt, hochschwanger. Sie hoffen wie Tausende anderer auch, auf der Gustloff in Sicherheit zu gelangen. Für Hellmut steht außer Frage, dass auch Erika mitfährt, doch deren Cousin Hagen Koch (Detlev Buck), Funker auf der Gustloff, besteht aus undurchsichtigen Gründen darauf, dass sie in Gotenhafen bleibt und ihren Dienst ableistet, zumal ihre Vorgesetzte, Berta Burkat (Ulrike Kriener), sie wegen fortgesetzter Eigenmächtigkeiten schon im Visier hat. Hellmuts Auftrag, möglichst viele Menschen mit der Gustloff in Sicherheit zu bringen, stößt beim militärischen Transportleiter der Fahrt, Korvettenkapitän Petri (Karl Markovic), auf erheblichen Widerstand. Er drängt auf ein vorzeitiges Auslaufen, um seine U-Boot-Männer schnellstmöglich zum Fronteinsatz nach Kiel zu bringen. Der NSDAP-Vertreter an Bord, Ortsgruppenleiter Escher (Alexander Held) ist nur daran interessiert, den Jahrestag der Machtergreifung an Bord angemessen zu feiern, ohne Rücksicht auf die Not der Menschen. Auch in Alt-Kapitän Johannsen (Michael Mendl) findet Hellmut keinen Verbündeten. Der verzagte, müde Fahrensmann ist als Schiffsführer entscheidungsunfähig, er will nur noch seine Haut retten. Die Sorge um die Sicherheit des Schiffes teilt Hellmut nur mit dem örtlichen Kommandeur einer Sicherungsdivision, Korvettenkapitän Leonberg (Francis Fulton-Smith), der aber zu dem von der U-Boot-Führung vorgegebenen Zeitpunkt der Ausreise keinen angemessenen Geleitschutz bereitstellen kann. Die größte Überraschung erlebt Hellmut als er sieht, dass auch sein Bruder, Kapitänleutnant Harald Kehding (Heiner Lauterbach) auf der Gustloff mitfahren wird. Die beiden sind seit Jahren zerstritten. Harald, der nach dem Abschuss seines U-Bootes unter einer schweren Bauchverletzung leidet, erfüllt in Gotenhafen für Hellmut undurchsichtige Aufgaben in der Sabotageabwehr. Noch beim Auslaufen am Mittag des 30. Januar 1945, erreicht die Schiffsführung ein dubios verschlüsselter Funkspruch. Harald befürchtet einen Anschlag und lässt das Schiff nach Sprengsätzen und Saboteuren durchsuchen.
Nach den Erfolgen von Zweiteilern wie "Die Flut" und "Dresden" versucht sich das ZDF mit einer aufwendigen (und teuren) Produktion an der Untergang des Schiffes "Wilhelm Gustloff" im Januar 1945. Und mit Joseph Vilsmaier hat man dafür einen erfahrenen Regisseur verpflichtet, der schon mit Filmen wie "Stalingrad" (1993), "Comedian Harmonists" (1997) oder "Der letzte Zug" (2006) sein Gespür für geschichtliche Themen beweisen konnte. So gelingt ihm auch erst einmal perfekt, die Unruhe in den letzten Kriegstagen darzustellen und verschiedene Schicksale miteinander zu verflechten. Besonders der erste Teil erweist sich als emotionale Achterbahn. Je mehr sich der Film aber den Unglück nähert, desto mehr verzettelt sich die Geschichte in klischeehaften Plattitüden, die ohnehin schon oberflächlichen Personenkonstellationen laufen ins Leere und ernsthafte Konflikte werden auf eindimensionales "Gut-Böse" reduziert. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn die Katastrophe selbst mit ihren "Schauwerten" und auch der Emotionalität den Zuschauer erreichen würde. Genau das gelingt aber nicht. Auch wenn der Anschlag von viel zu langer Hand angekündigt war, kommt der Torpedo viel zu plötzlich und innerhalb von Sekunden bricht ein - für den Zuschauer kaum nachvollziehbares - Chaos aus, das sich vor allem in hektischen Zusammenschnitten von künstlicher Panik ausdrückt. Nicht nur dass die Figuren im Angesicht des Todes absolut unglaubwürdige Dinge tun, sie lassen dazu auch erschreckend platte Weisheiten vom Stapel, die schon ans Fremdschämen grenzen. In besten Momenten erinnern die Untergangsszenen an eine thematisch ähnliche Geschichte aus Hollywood, ein Vergleich der aber gleichzeitig aufzeigt, wie man es richtig und wie man es falsch macht. Der größte Fehler der "Gustloff" ist vielleicht, dass sich die Geschichte viel zu lange mit irgendwelchen künstlichen Konflikten aufhält und dann für die eigentliche Katastrophe - immerhin eine der größten der Seefahrtsgeschichte - kaum noch Zeit hat. Mit Wohlwollen kann man dem ZDF und den Produzenten gute Absichten und vor allem im ersten Teil auch überzeugende Ansätze bescheinigen. Leider gelingt es im Folgenden nicht, das Schicksal der Menschen durch die oberflächlichen Figurenkonstellationen glaubhaft zu personifizieren, oder auch sich von dem Vergleich mit einer entsprechenden Hollywood-Produktion abzusetzen.
Bewertung: 5,5/10

Nach den Erfolgen von Zweiteilern wie "Die Flut" und "Dresden" versucht sich das ZDF mit einer aufwendigen (und teuren) Produktion an der Untergang des Schiffes "Wilhelm Gustloff" im Januar 1945. Und mit Joseph Vilsmaier hat man dafür einen erfahrenen Regisseur verpflichtet, der schon mit Filmen wie "Stalingrad" (1993), "Comedian Harmonists" (1997) oder "Der letzte Zug" (2006) sein Gespür für geschichtliche Themen beweisen konnte. So gelingt ihm auch erst einmal perfekt, die Unruhe in den letzten Kriegstagen darzustellen und verschiedene Schicksale miteinander zu verflechten. Besonders der erste Teil erweist sich als emotionale Achterbahn. Je mehr sich der Film aber den Unglück nähert, desto mehr verzettelt sich die Geschichte in klischeehaften Plattitüden, die ohnehin schon oberflächlichen Personenkonstellationen laufen ins Leere und ernsthafte Konflikte werden auf eindimensionales "Gut-Böse" reduziert. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn die Katastrophe selbst mit ihren "Schauwerten" und auch der Emotionalität den Zuschauer erreichen würde. Genau das gelingt aber nicht. Auch wenn der Anschlag von viel zu langer Hand angekündigt war, kommt der Torpedo viel zu plötzlich und innerhalb von Sekunden bricht ein - für den Zuschauer kaum nachvollziehbares - Chaos aus, das sich vor allem in hektischen Zusammenschnitten von künstlicher Panik ausdrückt. Nicht nur dass die Figuren im Angesicht des Todes absolut unglaubwürdige Dinge tun, sie lassen dazu auch erschreckend platte Weisheiten vom Stapel, die schon ans Fremdschämen grenzen. In besten Momenten erinnern die Untergangsszenen an eine thematisch ähnliche Geschichte aus Hollywood, ein Vergleich der aber gleichzeitig aufzeigt, wie man es richtig und wie man es falsch macht. Der größte Fehler der "Gustloff" ist vielleicht, dass sich die Geschichte viel zu lange mit irgendwelchen künstlichen Konflikten aufhält und dann für die eigentliche Katastrophe - immerhin eine der größten der Seefahrtsgeschichte - kaum noch Zeit hat. Mit Wohlwollen kann man dem ZDF und den Produzenten gute Absichten und vor allem im ersten Teil auch überzeugende Ansätze bescheinigen. Leider gelingt es im Folgenden nicht, das Schicksal der Menschen durch die oberflächlichen Figurenkonstellationen glaubhaft zu personifizieren, oder auch sich von dem Vergleich mit einer entsprechenden Hollywood-Produktion abzusetzen.
Bewertung: 5,5/10

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